Man könnte meinen, Goethe hätte beim Formulieren obigen Spruchs den inneren Zwiespalt eines in Ueckermünde laufenden M65-Veteranen vor Augen gehabt.
Und zwar eines solchen, der sowohl Punkte beim Laufcup MV sammeln als auch bei der Landesmeisterschaft positiv auffallen möchte.
Denn: Beim Laufcup gibt es für die älteren Semester die AK-Punkte für die Platzierung im Halbmarathon – der Erste kriegt 25, der Zweite 24 usw. Für die Landesmeisterschaft dagegen darf gleich noch ein HM angehängt werden, denn da geht es für alle Altersklassen um den Ganz-Marathon. Und wer sich den erfolgreich gönnt, kriegt noch ein winziges halbes LM-Bonuspünktchen für den Cup obendrauf. Und da fragt man sich natürlich, ist quasi völlig gespalten über das Problem, wie man den ersten HM laufen soll – ganz schnell für den Cup und dann zu platt für die LM, oder viele Cup-Pünktli sausen lassen und lieber reichlich Kräfte für die zweite Hälfte und den dort ungeduldig wartenden “Mann mit dem Hammer” aufsparen.
Bei meinem ersten Ueckermünde-Auftritt 2016 war die Welt noch einfacher – als damaliger junger Hüpfer musste mich nur der ‘Ganze’ Marathon interessieren. Unter den jetzigen schizophrenen Umständen war die Zielstellung nicht ganz so ambitioniert und ich kam mir recht kühn vor, eine Endzeit von 3:45:xx ins Auge zu fassen.  Damit wäre jede der sechs 7km-Runden in 37:20 zu absolvieren, was bekanntlich bei einem pace von 5:20 kein Problem darstellt. Wenn man den dann durchhält…
Zwischendurch könnte man sich dann über einem HM in eher mäßigen 1:52:30 freuen. Nur vertretbar, wenn man noch einen von der Sorte anhängt.

Die Runde von Ueckermünde

Die Runde von Ueckermünde

Ein fetter Bonus versüßte diesmal für mich die ganze Angelegenheit sehr – ich musste die elend lange Strecke, die mich damals auf dem Rückweg fast in den Wahnsinn trieb, nicht selber fahren! Denn Birks hochambitionierter Kollege Frank, immer ein Anwärter auf vordere Plätze, hatte einen hinteren noch in seinem Auto frei!!
Und ich konnte alsbald und entspannt der Überquerung der autobahnlochüberspannenden Hoppelbrücke bei Tribsees beiwohnen, ohne um meine eigenen Radkappen fürchten zu müssen (aber wie Franks Auto dabei innerlich litt, merkten wir später).
Bei der Betrachtung der aktuellen Teilnehmerliste zeigte sich deutlich, dass von einer sicheren AK-Silbermedaille, welche zum Zeitpunkt der Anmeldung noch winkte, nun keine Rede mehr sein konnte, denn sie (die Liste) war mittlerweile merklich angeschwollen.
Nach der Begrüßung der zahlreichen bekannten und vertrauten Gesichter der Laufszene konnte dann pünktlich dem Startschuss gelauscht werden. Ich versuchte unverkrampft dahinzulaufen und erstmal Körpergefühl zu entwickeln, ohne mich vom Pulk beeinflussen zu lassen, denn anfangs waren sogar die schnellen 5km-Flitzer noch dabei. Und zunehmend zweifelte ich am Zustand meiner Laufuhr, denn die behauptete km für km mit permanenter Verbissenheit einen pace, der eng um 5:00 schwankte, und das bei beinahe Ruhepuls. Sehr komisch, aber die angestrebten 5:20 mit Macht zu halten, hätte vermutlich mehr Energie gekostet, als “es” einfach rollen zu lassen. Und am Ende der dritten Runde merkte man den Zug der endspurtenden HM-Läufer, dem man sich einfach nicht entziehen konnte.  Diese Phase war auch die einzige, in der es einen direkten Kontrahenten gab, der mich auf einen Langzeit-Bestwert für den HM trieb und sich am Ende freuen durfte, mir einen LC-Punkt um 7sek weggeschnappt zu haben. Um sich anschließend dem Feierabend zuwenden zu können!
Ich dagegen brauchte dann etwas länger als gewöhnlich, den Verpflegungsstand abzuarbeiten, was der Stadionsprecher süffisant als “kleinen Boxenstop” vermerkte.  Dann war es nicht mehr zu vermeiden, die zweite Hälfte in Angriff zu nehmen. Seufzend, denn von leichten Füßen konnte nun keine Rede mehr sein.

Die 4. Runde ging als vorsichtige Aufbaurunde in die Annalen ein und der pace lag dabei etwas näher an der ursprünglichen Zielstellung.  Runde 5 und 6 gingen schon beinahe als Quälerei durch, aber ich konnte an einigen anfangs sehr weit entfernten Läufern vorbeiziehen, die noch viel fertiger waren. Insofern hatte ich Glück, der Mann mit dem Hammer konnte einfach nicht überall sein.
Am Ende kam eine viel bessere Zeit als vorausgesehen heraus – (nur) 31sec langsamer als 2016 – genau die beim Boxenstop verschwendete Zeit, dafür nur  1/4 so kaputtgespielt wie beim ersten Auftritt.

result

Nachdem die beiden Siegerehrungen überstanden, Medaillen und Pokale korrekt in Pflege genommen waren, war es Zeit, die Heimfahrt ins Auge zu fassen. Leichter gesagt als getan: Die Karre wollte einfach nicht anspringen. Hatte sie die Härte von Tribsees doch nicht einfach so weggesteckt? Zwei eigentlich schon genug ausgepowerte Läufer durften nun das Teil mit wachsender Verzweiflung und schwindender Kraft um den Parkplatz wuchten, während Altersklassen-Sieger und -Landesmeister Frank an den Armaturen werkelte – ohne Erfolg. Das konnte Friederike, die beeindruckende Frauen-Zweite, nicht lange ansehen.  Das Auto machte geradezu einen Sprung, als sie mit anpackte, und gut war. Female power at its best!

Dann lag noch mehr power in der Luft! Wie schon auf der Rückfahrt vom Cup-Rennen in Wittenburg machte eine rätselhafte mentale Verbindung zum FC Hansa erneut, dass der Radiosprecher einen fulminanten Sieg verkünden konnte.

Wie so oft aber mischt sich in den Triumpf ein dicker Wermutstropfen. Das große, erregend bedruckte Badelaken, welches ich wie jeder finisher erhielt, gedachte ich in dieser Saison gezielt am Strand von Warnemünde einzusetzen, um ein wenig den Hasselhoff zu geben. Aber großer Fehler: “Vor Erstgebrauch waschen!” –> und weg ist die schöne Inschrift.

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